21. März 2017

Macht jeden Tag zum Frauentag

Verleihung der linken Frauenpreise im Erfurter Rathaus an BIDA e.V. Kultur und Bildung. Weitere Preise gingen an den Verein Frauenselbsthilfe nach Krebs Thüringen, Gruppe Neustadt und Triptis sowie an Verein Rollerderby Erfurt. Foto: Dirk Anhalt

LINKER Frauenpreis ging an Verein für Krebshilfe. 

 

Unter dem Motto „Macht jeden Tag zum Frauentag, wurde dort dieses Jahr erneut ein Zeichen für Frauen gesetzt. Das Motto suggeriert eine Sehnsucht dessen Erfüllung schon lange auf sich warten lässt: Gender-Pay-Gap und Gender-Lifetime-Gap sind nur einige der, zugegeben sehr anglistischen, Symptome, mit denen Frauen täglich zu kämpfen haben. Neben den strukturellen gesellschaftlichen Nachteilen, zählt aber auch beispielweise sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen mit hinein. Warum also soll jeder Tag ein Frauentag sein? Mit diesem Motto ist gemeint, dass es nicht nur einen Tag geben sollte an dem etwa die Hälfte der Erdbevölkerung betrachtet und Ungerechtigkeit thematisiert wird. Es sollte uns jeden Tag mahnen, dass Menschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden, nicht nur am Frauentag. Genau aus diesem Grund wurde der Frauenpreis dieses Jahr unter diesem Motto vergeben.

Mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde in diesem Jahr BIDA e.V. Kultur und Bildung. Der Verein mit Sitz in Suhl war 2010 von Zuwanderinnen gegründet worden. Er hat sich mit vielen Projekten besonders der Integration ausländischer Menschen zugewandt, befördert ein gutes Miteinander und gegenseitiges Verständnis. Ein Schwerpunkt liegt auf frühzeitiger Prävention und Vermittlung sozialer Kompetenzen bei Kindern, mit dem Schwerpunkt Erziehung zu Toleranz.

Den Sonderpreis der LINKE-Landesvorsitzenden erhielten sieben Jenaer Schülerinnen, die sich im Januar mutig und couragiert  in einem offenen Brief an alternative Clubs in Jena gewandt und sexualisierte Übergriffe und Sexismus in diesen Clubs angeprangert hatten.

 

Equal Pay Day: Signal für Gleichstellung durch Lohngerechtigkeit

 

Die Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann ist längst nicht erreicht. Trotz der Fortschritte auf einigen Gebieten sind die Chancen von Frauen und Männern in vielen Bereichen der Gesellschaft sehr unterschiedlich. Frauen nehmen viel seltener Führungspositionen ein, sie werden schlechter bezahlt, sie arbeiten häufiger in Teilzeit und vor allem befinden sie sich nach wie vor in der Zwickmühle, Beruf und familiäre Aufgaben vereinbaren zu müssen. Und solange Frauen hinsichtlich der Entlohnung benachteiligt sind, so lange werden auch in den Familien hinsichtlich der Verteilung von Familienarbeit Kindererziehung oder Pflege vor allem Lösungen gefunden, die zu Lasten der Frauen gehen“, erklärte Heike Werner anlässlich des 18. Märzes. 

Ein Kernelement der Benachteiligung von Frauen sieht die Thüringer Sozialministerin deshalb in der ungleichen Entlohnung. Daran erinnere der Equal Pay Day zu Recht Jahr für Jahr. „Es ist bedauerlich, dass es in einer modernen Gesellschaft einen solchen Aktionstag überhaupt geben muss“, betonte die Ministerin. Trotzdem: „Wir müssen beim Equal Pay Day ein Signal für wirkliche Gleichstellung durch Lohngerechtigkeit setzen!“

Auch Katrin Christ-Eisenwinder,   Thüringer Gleichstellungsbeauftragte von machte darauf aufmerksam, dass das Jubiläum des Equal Pay Day 2017 „eigentlich kein Grund zum Feiern ist“. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ohne geschlechtsspezifische Unterschiede, das sollte längst eine Selbstverständlichkeit sein, so die Beauftragte. Doch die Realität sehe anders aus. Christ-Eisenwinder: „Gleichstellung findet in den Köpfen statt und Unterschiede aufgrund geschlechtsspezifischer Benachteiligung sind ungerecht!“

Der Equal Pay Day macht als Aktionstag auf den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Gleichzeitig markiert er symbolisch den Zeitpunkt im Jahr, bis zu dem Frauen sozusagen unentgeltlich arbeiten müssen. Laut Statistischem Bundesamt liegt die Lohnlücke der Frauen in Deutschland bei 21 Prozent. Das entspricht 77 Kalendertagen, vom Jahresanfang bis zum Equal Pay Day.

Bei der Aktion auf dem Erfurter Willy-Brandt-Platz hatten sich die rot-rot-grünen Regierungsfraktionen gemeinsam beteiligt. Dort wurde auch an die Geschichte des Equal Pay Day und die verschiedenen Aktionen erinnert. Außerm gab es eine Stände-Rallye

 

Feministischer Kampftag übertraf Erwartungen

 

Am 11. März fand der feministische Kampftag unter dem Motto „Feministische Kämpfe in die Offensive“ statt. Mehr als 1.600 Menschen demonstrierten für Gleichberechtigung aller Geschlechter und die Auflösung gesellschaftlicher Gender. Die Demo war, trotz Provokationen der Polizei durchgehend friedlich, laut und bestimmt. 

„Für die Freiheit, für das Leben, Macker von der Straße fegen“ und andere Forderungen skandierten vor allem die ersten FLTI*-Reihen (FLTI: Frauen, Lesben, Transgender und Intersexuell) der Demo. 

Von Schüler*innen bis Senior*innen beteiligten sich alle Generationen – während die junge Generation für die Schüler*innenzeitung interviewte, schob selbst ein älterer Herr den Lautsprecherwagen für längere Zeit.

In den Redebeiträgen kamen viele der Bündnispartner*innen zu Wort und prangerten den sexistischen Normalzustand an. Themen wie eine faire Bezahlung und das Sichtbarmachen von Sorgearbeit, wurden behandelt. Es stellten sich Gruppen vor, die bereits seit Jahrzehnten feministische Politik betreiben. Auch vor größeren Zusammenhängen wie der von kapitalistischer Ordnung und sexistischer Zustände scheute sich das Bündnis nicht: „Ohne Revolution kein Feminismus“ – lautet es im Redebeitrag einer Gruppe.

Luca Weber richtete weiterhin noch Kritik an die Beamt*innen vor Ort: „Wir freuen uns über die große Menge derer, die am heutigen Tag mit uns demonstrierten – und sich nicht die Laune verderben ließen, durch das unnötige Filmen und Filzen durch die Polizei.“

„Gutes Wetter, harte Zeiten, für den Feminismus fighten“ – forderten die Teilnehmer*innen, und traten den harten Zeiten mit Konfetti, Glitzer und anderen Spielereien entgegen.

Zu den Ereignissen des Tages äußerte sich Louise Ninive: „Nach der Demonstration ist ein großer Teil der Teilnehmer*innen mit ins Conne Island gekommen. Das zeigt, dass die Solidarität nicht auf auf der Strecke – beziehungsweise der Straße – bleibt und lässt uns positiv in eine feministische Zukunft dieser Stadt blicken!“

Zum Abschluss verlor Weber noch einige Worte, zum Fortbestand des Bündnisses: „Auch wenn heute eine großartige Demo war, ist jeder Tag ein feministischer Kampftag. Somit machen wir auch als Bündnis weiter! Wir sehen uns bald wieder.“

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