4. April 2017

Richtige Antwort auf Boykott-Aufruf

„Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, ist ein Theaterstück von Bertolt Brecht (1898 - 1956) aus dem Jahre 1941. Die Hauptfigur Arturo Ui stellt Adolf Hitler dar, hat aber auch Züge des US-Gangsters Al Capone.

Der Schoß ist fruchtbar noch. Unter diesem Titel hatte am Theater Altenburg ein Brecht-Programm Premiere. Dieser Text steht als letzter Satz in dem Stück: „Der Aufstieg des Arturo Ui“ (gemeint ist Hitler) von Brecht und lautet vollständig: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ Damit gibt das Schauspielensemble  die richtige Antwort auf einen Boykott-Aufruf gegen das Theater und das Lindenau-Museum! Eine so genannte Bürgerinitiative und der OB Wolf betonen eifrig, dass sie nichts mit faschistoiden Tendenzen zu tun haben, sondern die Betroffenen, also die Kolleginnen und Kollegen des Schauspiels, würden die Stadt „in die rechte Ecke stellen und mit dem Feuer spielen“.„Hier wird mit Absicht verkehrte Welt gespielt, um so genannte besorgte Bürger gegen Toleranz und Weltoffenheit aufzuputschen“, kritisiert Jürgen Kautz, Vorsitzender der ver.di-Landesfachgruppe Theater und Bühnen. „Und das nur, weil die Theaterleute und Mitarbeiter des Museums sich für eine freundliche Aufnahme von Flüchtlingen ausgesprochen haben!“Das Theater dürfe sich nicht politisch äußern, sagt einer der Anführer der „Initiative der Besorgten“. Schon deswegen nicht, weil die Theaterleute von den Steuern der Bürger „ihre Miete bezahlen“. Auch dürfte das Theater keine andere Meinung als die der Bürger vertreten. Dagegen gelte es, „Widerstand zu leisten“. „Diese Position ist klar verfassungsfeindlich. Die Kunstfreiheit ist ein Grundrecht, das zum Schutz künstlerischer Ausdrucksformen gedacht ist. In Deutschland ist es in Art. 5 Abs. 3 Grundgesetz verankert. Dort zählt es zu den am stärksten geschützten Grundrechten. Das Verfassungsgericht zählt die Kunstfreiheit zu den Kommunikationsgrundrechten und erachtet es daher als wesentlich für die demokratische Grundordnung“, stellt ver.di-Landesfachbereichsleiter Michael Kopp fest.Das sich diese Kreise der Bevölkerung in Altenburg so provoziert fühlen, ist offensichtlich der Verdienst der klar humanistisch orientierten und engagierten Arbeit des Schauspieldirektors Bernhard Stengele und seines Ensembles. Obwohl sie ihre Arbeit sicher als normal ansehen, so leisten sie damit echten Widerstand gegen das, was zunehmend in unserem Land auf den Plan tritt: die Tendenz, rechte Ideologien in neuer Form hervorzuholen. Und das, was schon einmal die furchtbarste Katastrophe der Geschichte hervorgebracht hat, neu zu beleben.Dies betont auch Oliver Greie, ver.di Landesbezirksleiter Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: „In dem Kampf gegen diese Tendenz unterstützen wir das Theater Altenburg und bedauern, dass einige Kolleginnen und Kollegen des Hauses in der Stadt nicht mehr leben und arbeiten wollen, weil sie rassistisch diffamiert und bedroht werden. Wir rufen alle Theaterensembles auf, ihre Solidarität zu erklären, denn es darf nicht vergessen werden: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.