24. Januar 2017

Offene Gesellschaft oder dumpfe Diktatur?

Diskussion über den Moscheebau: Wiesenhügel-Bürgermeister Matthias Plhak, MdB Stefan Liebich, Imam Said Ahmed Arif und MdB Martina Renner.

 

 

 

Von Uwe Pohlitz

 

An dieser Frage scheiden sich offensichtlich die Geister, wenn es sich um den Neubau einer Moschee geht. Mag sein, dass Fremdes und Ungewohntes bei ängstlichen Personen Unbehagen erzeugt. Über Jahrhunderte lebten Christen und Juden in unserem Land, bauten Kirchen sowie Synagogen und akzeptierten manchmal schlechter, aber meist besser, sich gegenseitig. Bis zu dem Tag als es Faschisten und Rassisten gelang, durch penetrante Hetze wie Verleumdung die jüdischen Mitbürger zu diskreditieren. Es folgte millionenfacher Mord, begründet durch Ausrottungsideologien. 


Die stolzen Ritter germanischer Abstammung waren schon im frühen Mittelalter der Auffassung, in weit entfernten Territorien unter fremden Völkern das Christentum mit grausamer Gewalt angeblich zu verteidigen. Der Islam wurde zum Feind erklärt, obwohl in der damals fortgeschrittenen und kulturvollen arabischen Welt viel Toleranz auch gegenüber anderer Religionen gab. So viel zur Geschichte. Wer mehr erfahren möchte, sollte sein Wissen durch entsprechende Literatur erweitern.


Die Ahmadiyya- Gemeinden gibt es seit über 100 Jahren in Deutschland und sie sind noch nie in negative Schlagzeilen geraten. Die Mitglieder, allesamt Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten, stehen zweifellos zum Grundgesetz.


Zwischen der B4 und den Marbacher Silos möchte die Gemeinde ihre Moschee aus eigenen Mitteln errichten, ein kleiner Neubau mit einem symbolischen Minarett, ohne Lautsprecher für den Gebetsruf. Dieser wird für Außenstehende nicht hörbar sein.
Sogenannte besorgte Bürger fühlen sich in der Pflicht gegen dieses Vorhaben einen Kreuzzug zu eröffnen. Die  Scharfmacher vom rechten Rand wurden sofort aktiv, Hass, Gewalt und Intoleranz anzuheizen.


Das war Grund genug, Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinde Berlin-Pankow sowie Stefan Liebig und Martina Renner, Mitglieder des Deutschen Bundestages, zu einer Informationsveranstaltung in die Erfurter Bibliothek am Berliner Platz einzuladen.
Um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten stand ein starkes Polizeiaufgebot in Bereitschaft. Mancher fragte sich: „Wo sind wir in unserer Demokratie angekommen?“
Die Berliner Gäste berichteten von ihren Erfahrungen beim Bau der Moschee in Pankow. Es gab ähnliche abwehrende Haltungen und Aktionen wie wir sie gegenwärtig in Erfurt erleben. Inzwischen gehört das Gemeindezentrum zum öffentlichen und kulturellen Leben des Stadtbezirkes. Die Gemeinde wird freundlich angenommen.


Martina Renner machte deutlich, dass es ihr nicht um Religionen geht, sondern um das Recht auf ungehinderte Religionsausübung auf der Grundlage des Grundgesetzes.
Stefan Liebig erinnerte daran, dass wir zum Glück in einer freien und offenen Gesellschaft leben. So soll es auch bleiben. Dazu gehört auch die Kompetenz im Umgang mit Religionen.
Hier scheint es, dass es Menschen gibt, welche erst einmal geistige Mauern hochziehen und nationalistischen Wahn befördern. Wenn sogenannte nationale Kräfte in der Nachbarschaft  der künftigen Moschee deutsche Landschweine züchten und halten wollen, zeigen sie ihr wahres Gesicht. Es stellt sich die Frage: Warum haben sie es bisher nicht getan? Die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde werden auch das tolerieren und trotzdem kein Schweinefleisch essen.
Diese Veranstaltung setzte ein positives Zeichen und lässt hoffen, dass die Vernunft siegt.


Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/land_leute/detail/browse/1/artikel/offene-gesellschaft-oder-dumpfe-diktatur/