2. Mai 2017

Eine Lokomotive für die Kultur

Wenn so gut wie jeder Kommunalpolitiker es gern als positives Beispiel anführt und sich sogar der Thüringer Wirtschaftsminister, Wolfgang Tiefensee, für den Erhalt eines Kulturprojektes stark macht, dann muss es schon um etwas ganz besonders gehen. Im Fall des Erfurter Zughafens, einem Gebäudekomplex am alten Erfurter Güterbahnhof ist das gewiss keine Übertreibung.  Statt Leerstand und  Zerfall finden dort regelmäßig Veranstaltungen ganz verschiedener Art statt. Größere Bekanntheit erlangte der Zughafen durch den mittlerweile nach Berlin abgewanderten Musiker Clueso, der sich auch heute noch für die Kultur in Erfurt stark macht. 


Die Nachfrage nach Ateliers, Probe-, Arbeits- und Produktionsräumen ist in Erfurt hoch und alles das bietet der Zughafen für seine rund 40 Mieter vom Bierbrauer bis Musiker. Für die Akteure ist er wohl so was wie die Lokomotive der Erfurter Kultur, die vieles anschiebt oder mitzieht. 


Vom 21. bis 23. April feierten die Aktiven mit tausenden Gästen ihren 15. Geburtstag. Riesig ist das Gelände und die Räumlichkeiten. Platz für Kunst und Kultur in allen Facetten, teilweise mit dem anarchistischen Charme eines Punkerschuppens, aber andernorts auch im modernen, in buntes Licht getauchten, Lounge-Ambiente.

Vom Kinderclown über Graffiti bis zum „Bier Release“, von Live-Musik mit Orchester bis zur großen Licht-Show Fassadenprojektion am Abend, zeigte sich wie bunt und lebendig die Erfurter Kulturszene ist. Daran ändert auch die oft mangelhafte Unterstützung durch die Politik und den des öfteren wiehernden Amtsschimmel nichts. Bis jetzt gilt der Mietvertrag allerdings nur bis Ende 2017. In Anbetracht dessen, was diese Menschen in 15 Jahren auf die Beine gestellt haben, wäre es doch verwunderlich, wenn es dafür keine Lösungen geben würde. Das wäre gut für alle, denn wo so viel Platz für Kultur ist, wird der Platz für Rechtsextreme Hohlköpfe umso kleiner.                                        

th

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/land_leute/detail/browse/1/artikel/eine-lokomotive-fuer-die-kultur/