13. März 2018

Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren

Michaele Sojka ist seit 2014 Landrätin im Altenburger Land.

 

 

Sie stellen sich erneut als Landrätin für das Altenburger Land zur Wahl. Welche Motivation haben Sie, diese Position weiter auszufüllen?


In den sechs Jahren als Landrätin hat mir die Arbeit Freude gemacht, denn wir haben tatsächlich gemeinsam viel erreicht. Darüber hinaus hatte und habe ich immer viel mehr Ideen, als sich in einer so kurzen Zeit umsetzen lassen. Gern möchte ich noch einmal sechs Jahre an der positiven Entwicklung des Landkreises arbeiten.

 
Was macht den Landkreis Altenburger Land so besonders für Sie? 


Wir sind ein familienfreundlicher Landkreis – mit vielen klugen Ideen und engagierten Menschen. Deshalb bleiben junge Leute nun hoffentlich gern im Altenburger Land. Es gibt immer weniger Arbeitslose und die Unternehmen blicken positiv in die Zukunft. Wir haben mit dem S-Bahn-Anschluss eine sehr gute Ausgangsposition in Thüringen. Unsere reichhaltige und vielfältige Kulturlandschaft ist ein Schatz, um den uns andere beneiden.


„Gemeinsam mehr erreichen“ war Ihr Motto bei der letzten Landratswahl. Rückblickend auf die vergangenen sechs Jahre: Welche damals gesetzten Ziele haben Sie erreichen können?


Es ist meinen Mitarbeitern und mir in den letzten sechs Jahren gelungen, für die Menschen, die 38 Kommunen und unzählige Vereine ein guter Dienstleister zu sein. Viele der anfangs bestehenden Aufgabenstellungen konnten wir lösen. Darüber hinaus haben wir 7,4 Millionen Schulden abgebaut. Neue Schulden wurden während meiner Amtszeit nicht aufgenommen und unser Landkreis besitzt finanzielle Handlungsfähigkeit. 


Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den vier Fraktionen des Kreistages gestaltet? 


Die Zusammenarbeit mit den 46 Mitgliedern im Kreistag und den Ausschüssen war zum Teil kritisch und streitbar, in der Regel aber immer wieder konstruktiv und von viel Kompromissbereitschaft geprägt. Deshalb gilt ihnen mein Dank, wie ebenso den zwei ehrenamtlichen Beigeordneten des Kreistages, dem Vizelandrat Matthias Bergmann und meinen drei weiteren Fachbereichsleitern sowie allen 650 engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Erfolge der letzten sechs Jahre wären ohne dieses Miteinander nicht möglich gewesen. 


Auf welche Neuerungen und abgeschlossenen Projekte sind Sie besonders stolz?


Mit Freude blicke ich auf das, was in den vergangenen Jahren neu in unserem Landkreis entstanden ist. So unter anderem die Schulturnhalle in Langenleuba-Niederhain, die auch von Vereinen im Ort genutzt wird, das MEDICUM am kommunalen Klinikum, der Erweiterungsbau des kommunalen Seniorenzentrums in Meuselwitz und der Erweiterungsbau des Gymnasiums in Schmölln. 
Gern haben wir jede Möglichkeit genutzt, um insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit zu senken. Mit unserer Teilnahme am Landesprogramm „Mehr wert sein – Mehrwert schaffen“ konnten wir nachweisen, dass es besser ist, Arbeit zu finanzieren statt Arbeitslosigkeit.


Gibt es Projekte, für die Sie in den vergangenen Jahren erste Grundsteine legen konnten und die in Zukunft fortgeführt werden sollen? 


Was für die nächsten Jahre vorbereitet und finanziell untersetzt ist, wird nun selbstverständlich verwirklicht. Die Grundschule in Nobitz wird grundhaft umgestaltet werden, der Umzug des Schmöllner Gymnasiums findet bereits in diesem Jahr statt. Für alle Schulen soll zudem in Zukunft ein 100 Mbit/s-Breitbandanschluss gewährleistet werden, wie bereits in unserer Medien- schule in Meuselwitz. Mit dem Breitbandausbau wird im Sommer auch im ländlichen Raum begonnen. 
Überdies haben wir erreicht, dass die kulturellen und baulichen Schätze des Landkreises – das Altenburger Theater, das Lindenau-Museum und die Burg Posterstein – saniert, umgestaltet bzw. ergänzt werden können. Die Wiedereröffnung des Theaters ist für 2021 geplant, die des Lindenau-Museums für 2023. 
Mit großem Engagement konnten wir seit dem 1. Juli 2017 den neuen Jugendförderplan auf den Weg bringen. Dieser ermöglicht eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Sozialarbeit im Landkreis. Die Finanzierung durch den Landkreis mit 1,7 Mio € jährlich entlastet die Kommunen vollständig. Das ist ein wichtiger Paradigmenwechsel, der parteiübergreifend vom Kreistag beschlossen wurde. Damit konnte auch die Drogenprävention im Landkreis weiter verstärkt werden. 


Welchen Herausforderungen standen Sie gegenüber? 


Im Juni 2013, als das verheerende Hochwasser auch im Altenburger Land gewaltige Schäden hinterlassen hatte, standen wir tatsächlich vor einer großen Herausforderung. Rückblickend lässt sich feststellen, dass insbesondere    Brückenbauwerke durch Fördermittel erneuert werden konnten. Die Schäden wurden beseitigt und auch für einen zukünftig besseren Hochwasserschutz konnte einiges erreicht werden. 
Auch die Zuteilung von insbesondere Flüchtlingsfamilien mit mehr als 400 Kindern und Jugendlichen in den beiden Jahren 2015/16 stellte für uns als Landkreisverwaltung eine unvorhergesehene Aufgabe dar. Es gelang uns, diese Menschen vorwiegend in bis 430 leerstehenden Wohnungen unterzubringen – und nicht, wie bundesweit mehrfach der traurige Fall, in Turnhallen oder Zeltstädten. Das ist nicht zuletzt dem Engagement, der bis heute über das Normale hinaus arbeitenden ehrenamtlichen Strukturen zu verdanken. 


Welche besonderen Aufgaben sehen Sie für sich in einer weiteren Amtszeit? 


Im Fokus stehen für mich eine starke Wirtschaft und unsere moderne Landwirtschaft als Rückgrat unseres Landkreises in Mitteldeutschland. Dazu gehören auch unsere Landkreisgesellschaften wie das Klinikum, die ThüSac und der Flugplatz der FAN (Flugplatz Altenburg-Nobitz GmbH). An zwei Bundesprojekten, an denen viele Fördermittel hängen, bleiben wir dran. 
Darüber hinaus erhoffe ich mir weiteren Zuzug in unseren schönen und lebenswerten Landkreis. Im alljährlichen Focus-Ranking stehen wir  in puncto Lebensqualität inzwischen auf Platz 205 von 401 Landkreisen – und damit vor Leipzig. Das ist ein sehr positives Zeichen und ebenfalls Motivation, weiter an unseren Stärken zu arbeiten. 
Auch Bildung, Ausbildung und Mitbestimmung sowie neue Beteiligungsformen stehen für mich im Vordergrund. Deshalb knüpfen wir beispielsweise mit der Bewerbung für das Bundesprogramm „Bildung integriert“ an die Erfahrungen aus bisherigen Projekten wie nelecom bzw. InBAL an. Außerdem beteiligen wir uns bereits in diesem Jahr als Modellkommune am Landesprogramm „Solidarisches Zusammenleben der Generationen“. Richtig und wichtig ist in Thüringen auch das kostenlose letzte Kita-Jahr, aber Weiteres in diesem Bereich muss folgen. 


Können Sie weitere Pläne für den Bildungssektor aufzeigen, die in naher Zukunft realisiert werden sollen? 


Wichtig ist mir vor allem, dass die Schulsozialarbeit mit der neuen Schulnetzplanung selbstverständlich an allen Schulen und unbefristet fortgeführt wird. Darüber hinaus sollen alle Schüler unseres Landkreises ab dem Schuljahr 2019/2020 eine Schülerregionalfahrkarte vom Landkreis erhalten, um diese auch in ihrer Ferien- und Freizeit nutzen zu können. 
Die Angebote für Heranwachsendene zu bündeln, damit Behörden wie Landratsamt, Jobcenter und Berufsinformationszentrum (BIZ) der Arbeitsagentur effektiver zusammenarbeiten, ist Ziel des neuen Jugendberufsservice „LeveL3“. Ab Mai wird dieser Jugendliche unterstützen, die damit auf der Suche nach Ausbildung und Arbeit nur noch eine Anlaufstelle in den Räumen des Jobcenters über dem BIZ haben. 


Welchen Stellenwert hat die Vernetzung des Landkreises innerhalb der Metropolregion Mitteldeutschland? 

 

Die neue Vernetzung innerhalb der Metropolregion eröffnet uns zahlreiche Chancen sowie Möglichkeiten zur Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze. Derzeit bewirbt sich der neu gegründete Wirtschaftsverein auf Landkreisebene „WAMM“ um zielgerichtete finanzielle Mittel für Regionen fernab der Innovationszentren. Dabei hat er meine volle Unterstützung, ebenso als Träger der größten „Jugend forscht“-Messe in Ostthüringen.


Bürgerfreundlichkeit – was bedeutet das für Sie?


Bürgerserviceeinrichtungen müssen in allen größeren Kommunen des Landkreises entstehen, damit überall kompetent und freundlich geholfen wird – so wie das derzeit in Schmölln schon geschieht. 
Zudem sehe ich neben den gewählten Mitgliedern des Kreistages vor allem neue Formen wie „Beteiligungswerkstätten“ und auch Beiräte als sehr wichtige Mitbestimmungselemente der Zivilgesellschaft, damit unsere Demokratie lebendig bleibt. So hoffe ich, dass es neben Gesundheitsbeirat, Sportbeirat, Seniorenbeirat und Elternbeirat zukünftig auch einen engagierten Fahrgastbeirat im Landkreis geben wird. 
Erwähnenswert ist außerdem, dass der Sozialpass des Landkreises ab sofort antragslos ausgereicht wird. Bürgerfreundlichkeit und soziale Teilhabe für alle müssen auch zukünftig primäres Ziel moderner Verwaltungen sein.