4. November 2014

Sozialistische Gesellschaft als Alternative diskutieren

Bernd Fundheller, der neue Landevize der Thüringer LINKEN:Er ist Nachfolger von Sandro Witt, der zu Beginn des Jahres das Amt des stellvertretenden DGB-Bezirksvorsitzenden übernahm.

Das Jahr 2014 ist ein bewegtes  für DIE LINKE. Erst der Wahlkampf und jetzt eine nicht immer ganz  stressfreie Debatte über Rot-Rot-Grün. Macht die Politik noch Spaß?

 

Der Spaß ist auf keinen Fall verloren gegangen. Ich mache gerne Wahlkämpfe. Ich empfinde es auch weniger als Stress, sondern als äußerst spannend, jetzt gemeinsam mit unserer Basis einen Weg zu finden, um in Thüringen den Politikwechsel zu ermöglichen. Dabei geht es ja nicht nur um die Landesebene, sondern darum, alle Partner in der Kommunalpolitik, auch SPD und Grüne, mitzunehmen. 

 

Wie wird sich die Arbeit des Landesverbandes verändern, wenn es zur Regierungsbeteiligung kommt? 

 

Die Netzwerke des Landesvorstandes und der Landtagsfraktion zur Basis, zu den Kreisvorständen, müssen verbessert werden, gerade wenn DIE LINKE regiert. Im ständigen direkten Gespräch mit den Verantwortlichen in den Kreisen, lässt sich vieles einfacher lösen, als wenn man bis zum nächsten Parteitag wartet. Manche Aufregung, auch in den letzten Wochen, könnte man sich sparen, wenn die Informationen an die Kreisverbände besser kommuniziert würden. Aber auch was die Mitgliedergewinnung angeht, müssen wir uns noch weiter entwickeln. 

 

Könnte der Politikwechsel eine Aufbruchstimmung erzeugen, die mehr Menschen, auch gerade jüngere dazu bewegt, sich in der LINKEN zu engagieren? 

 

Ich sehe durchaus die Chance, gerade bei jungen Leuten, mehr Interesse für die Politik zu entwickeln. Viele junge Menschen sind von der Einseitigkeit, gerade beim Thema Geschichte, enttäuscht. Bodo Ramelow hat völlig recht: Die DDR besteht eben nicht nur aus Mauer, Stasi und vielleicht noch dem Ampelmännchen. Menschen, die das auch so sehen interessiert der Begriff „Unrechtsstaat“ am allerwenigsten. Die wollen eine vernünftige Aufarbeitung. Wobei das Interesse hier weniger auf der Geschichte der SED liegt. Viele können das schon lange nicht mehr hören und wollen lieber über die Zukunft des Landes Thüringen reden.  Wenn es uns wieder gelingt, junge Menschen für den Kampf gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeit zu begeistern, dann wäre schon sehr viel gewonnen. 

 

Was die Ungerechtigkeit angeht, können Sie vermutlich ausführlich aus beiden deutschen Staaten berichten?

 

Das stimmt. Mir fehlt da immer eine Debatte um Gesellschaftsordnungen. Einen wissenschaftlichen Diskurs über die sozialistische Gesellschaft als Alternative zur kapitalistischen, gibt es nicht.  Zurzeit will man uns wieder weiß machen, wie toll der Kapitalismus doch ist. Das passt aber nicht zur Lebenswirklichkeit vieler Menschen in Thüringen. Deswegen sollten wir auch über die Frage, wie eine sozialistische Gesellschaft aussehen könnte, diskutieren. Die einseitige Darstellung, wie sie auch in den Schulen praktiziert wird, finde ich furchtbar. 

 

Mal abgesehen vom Thema Geschichte: Wenn Rot-Rot-Grün funktionieren soll, dann braucht es Vertrauen. Welche Erfahrungen haben Sie da in der Gothaer Kommunalpolitik gemacht?

 

Mit diesen Partnern kann man schon einiges durchsetzen. Was beispielsweise die Bildung angeht, arbeiten wir in Gotha gut zusammen. Wir haben die Kita-Gebühren in den Griff gekriegt und jetzt eines der besten Kita-Systeme überhaupt in Thüringen.  Da danke ich auch Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) ausdrücklich. Bei den Schulen würde ich mit der SPD auch gerne mehr machen, aber es gibt leider massiven Widerstand der Kreis-CDU. 

 

Mit welchen Erwartungen gehen Sie jetzt in die Koalitionsverhandlungen und die Diskussion mit der Basis? 

 

Ich wünsche mir, dass alle unsere Mitglieder und Sympathisanten den Koalitionsvertrag gut durchlesen und sich vollständig informieren. Mit Geschlossenheit und Einigkeit sollte DIE LINKE zeigen, dass sie hinter dem Reformprojekt steht und ihr Wahlversprechen Politikwechsel in die Tat umsetzen will.                                          th