23. September 2014

Augenhöhe ist ein Wert, den es zu bewahren gilt

MdL Katja Mitteldorf

Katja Mitteldorf holte ein Direktmandat in Nordhausen, wo sie seit 2005 lebt. Die 29-jährige hat seit 2011 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Landtag gearbeitet und studierte in Leipzig Amerikanistik und Theaterwissenschaft.

Sie haben in Nordhausen ein Direktmandat gewonnen, das nicht jeder erwartet hat. Gehen Sie als Abgeordnete anders an das Mandat heran, als wenn Sie über einen Listenplatz eingezogen wären?

 

Auf der Landesliste stand ich auf Platz 39 und ein Einzug in den Landtag war praktisch ausgeschlossen. Ich hatte mir gesagt, ich bin jung und nutze den Wahlkampf, um mich bekannt zu machen. Das Direktmandat gegen eine CDU-Staatssekretärin, die auch manches geleistet hat, war für mich wie Weihnachten und Ostern zusammen. Ich hätte damit nicht gerechnet. Insofern ist es schon eine Art Adelung und etwas ganz Besonders, dass mir so viele Menschen einen solchen Vertrauensbonus gegeben haben. Ich bin zwar seit diesem Jahr auch im Stadtrat, aber trotzdem noch nicht so bekannt. Nach nur einem halben Jahr im Rampenlicht das Direktmandat zu holen, ist der Hammer. Ich finde immer noch kaum Worte dafür.   

 

Basis für solche Erfolge sind Kandidaten, welche die Bürger sowohl als kompetent wie auch sympathisch em-pfinden. Aber das allein reicht nicht. Ist in Nordhausen generell ein Linkstrend erkennbar? Immerhin holte Birgit Keller 2012 auch das Landratsamt für DIE LINKE. 

 

Das kann man für Nordhausen schon sagen. Beim Zweitstimmenergebnis liegen wir 10 Prozent vor der CDU, in der Stadt und im Kreis. Da spürt man auch, dass es eine Wechselstimmung gibt. Mein Erfolg ist da ein Mix aus mir als junger, unverbrauchter und sympathischer Kandidatin und unseren Inhalten. Von Inge Klaan gab es keine inhaltliche Auseinandersetzung. Es kam von der CDU nur die alte Einteilung, sie sind die Guten und wir die bösen Kommunisten, die nur Schulden machen.  Die Leute sehen aber, dass es dafür keine Grundlage gibt, denn wir als LINKE haben noch nicht regiert. Wir, also Angela Hummitzsch und ich, haben immer wieder Angebote gemacht, Zusammenhänge erklärt und klar gesagt, wie wir es finanzieren wollen. Die Inhalte konnten wir mit unserer Landrätin, die einen super Stand in Nordhausen hat, untersetzen und so eine richtige Wechselstimmung erzeugen. 

 

DIE LINKE pocht zu Recht immer auf die Bedeutung der Kommunalpolitik. Was können Sie ganz konkret für Nordhausen versprechen?

 

Zuallererst die Tatsache, dass der Kreis überhaupt für die Landesregierung eine Rolle spielt. Wir reden ja nicht nur von Nordhausen, sondern von der Region Südharz. Unsere günstigen Standortfaktoren: Die FH, das Theater und eine Reihe toller, international agierender Unternehmen, sind bei der Landesregierung nie aufgetaucht. Es gab nur schöne Broschüren, aber die hören bei Sondershausen auf. Darauf will ich immer wieder hinweisen: Es gibt noch etwas hinter Sondershausen, und wir müssen uns nicht verstecken. Wir sind sogar Vorreiter was interkommunale Zusammenarbeit betrifft. Ich will die Chancen, die sich aus einer besseren Kooperation mit Niedersachsen und Sachsen-Anhalt für Wirtschaft, Tourismus und Kultur ergeben, besser nutzen. Es geht nicht immer nur um den Kreis Nordhausen, sondern um die Region. 

 

Würden Sie Ihre Rolle als Abgeordnete anders definieren, sollte es zu einer rot-rot-grünen Landesregierung kommen?

 

So oder so sehe ich mich als Bindeglied zwischen Land und Regionen bzw. den Kommunen. Da habe ich bereits die ersten guten Gespräche mit den Verwaltungsspitzen über alle Parteigrenzen hinweg geführt. Dieser Dialog wird eine regelmäßige Basis meiner politischen Arbeit sein. 

 

Sie kennen die Arbeit der Fraktion seit 2011 als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Wie verändert sich jetzt die Perspektive politisch und menschlich?

 

Ich habe es stets als angenehm em-pfunden, dass unsere Abgeordneten nicht einfach nur den Mitarbeitern ihren Willen aufdrücken. Entscheidungen wurden immer Diskurs getroffen. Das Einzige, was sich für mich jetzt zunächst ändert, ist, dass ich jetzt selbst unterschreibe und das Beschlossene auch nach außen verantworten muss.  Ich sehe mich aber nicht als Chefin, weil ich die Augenhöhe aller in der Fraktion als ein Gut schätze, das es zu bewahren gilt.                                      

th

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/interview/detail/browse/7/artikel/augenhoehe-ist-ein-wert-den-es-zu-bewahren-gilt/