16. Juni 2015

Geprägt von den Menschen in ihrer Vielfalt

UNZ-Ausgaben der vergangen Jahre. Neben der 14-tägig erscheinenden Zeitung gibt der Verlag Broschüren und Extrablätter heraus. So unter anderem gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai 2013 in Erfurt, für das Sozial- und Kulturfest am Strandgut oder den KOPOFOR-Scheinwerfer.

Im Januar 1990 wurden alle Betriebszeitungsredakteure zu einer Beratung in die SED/PDS-Bezirksleitung eingeladen. Parteisekretär Ostrowski sprach über die Schaffung einer neuen Parteizeitung, da das VOLK sich von der Partei losgesagt und einer westdeutschen Verlagsgruppe angeschlossen hatte. Anfangs waren es Helmut Kropf und Johanna Kro-nacher unter Leitung von Monika Dietl die mit vielen anderen, den Mut hatten, in der Zeit des Umbruchs die UNZ zu gründen. Regina Pelz und Werner Voigt, davor Redakteure beim VOLK, kamen dazu. Es folgten Peter Pechauf und Ursula May. Und viele,  weitere müssten genannt werden … 

Trotz allem Elan der Aktiven wurde schnell klar, dass die UNZ als Parteizeitung finanziell nicht zu halten sein würde. Mit Unterstützung der PDS-Landtagsabgeordneten, Speerwurf-Olympiasiegerin Ruth Fuchs, wurde eine unabhängige GmbH gegründet, die bis heute trotz aller Schwierigkeiten mit nur zwei hauptamtlichen Mitarbeitern, aber unzähligen freiwilligen Helfern alle 14 Tage erscheint. Treue Mitstreiterinnen und Mitstreiter erinnern sich: 

 

Grand Senior Helmut Kropf, der bis heute als Autor aktiv ist,  erinnert sich an sein erstes Interview mit Bodo Ramelow kurz nach der Wende: „Mit einem handelsüblichen Tonbandgerät rückte ich in seinem Büro an und beobachtete die lästerlichen Blicke auf meine Technik. 'Haben Sie´s nicht eine Nummer kleiner?' 'Leider nicht, aber es wird wohl bald werden', entgegnete ich spitz. Typisch Wessi! Aus der geplanten halben Stunde Interview wurden fast zwei, und dreimal soviel Zeit ging drauf, bis ich Bodos Antworten auf dem Papier hatte. Am nächsten Tag rief ich ihn an um zu fragen, wann ich ihm das Geschriebene vorlegen könne. „Watt soll der Quatsch?“ war seine Antwort. Wenn ich alles ordentlich abgeschrieben hätte, dann brauche er das nicht noch mal zu lesen. „Ich mache das aber immer so“, antwortete ich. „Na gut“, sagte er, „was Pressefreiheit ist, müssen sie ja erst noch lernen. Also kommen Sie in einer halben Stunde.“ Dass er dann mit einem roten Filzstift etwa 20 Korrekturen vorgenommen hat, sei nebenbei angemerkt. Der Satz: „Junge, Junge, da hast du mir aber einigen Ärger erspart“,  führte zu einer kameradschaftlichen Zusammenarbeit ... 

 

Auch für den Kulturexperten Werner Voigt, der bis heute regelmäßig Beiträge schreibt, begann vor 25 Jahren die Arbeit in der UNZ-Redaktion: „Schon bei der Geburt des Blattes hatte mir imponiert, dass sich die Gründer nicht von den verführerischen Lügen einer so genannten unabhängigen Presse beeindrucken ließen und den Ideen des Sozialismus die Treue hielten. Oder, um es mit Goethe auszudrücken: ‘Wem um eine Sache zu tun ist, der muss Partei zu nehmen wissen, sonst verdient er nirgends zu wirken’“. Für Werner Voigt ist schon der Kopf, der vom VOLK in Thüringer Allgemeine umgetauften Zeitung eine Lüge: „Unabhängig? Jede Zeitung ist von dutzenden Faktoren, auch von Geldgebern, abhängig. Ex-TA-Chefredakteur Sergej Lochthofen spürte dann ja auch, dass bestimmte Herren im Westen ihn nach 20 Jahren nicht mehr wollten“, so Werner Voigt, der die Jahre bei der UNZ immer als aufregend und spannend empfand: „Bei allen Problemen der UNZ, es gab bei uns nie Zweifel, dass der Weg zum Sozialismus notwendig ist“. Nicht nur Voigt ärgert, dass sonst alles, was mit der DDR in Verbindung steht, der „modernen Zensur“ zum Opfer fällt –  jedenfalls fast, wenn es die UNZ nicht geben würde.

 

Der preisgekrönte Fotograf Uwe Pohlitz bestaunte damals wie heute den mutigen Kampf, der die 25 Jahre UNZ immer auch ausgemacht hat und dem er stets mit Freude zur Seite stand. Ob vorderste Anti-Nazifront, Gewerkschaftsdemo, Blues oder Religion, egal worum es geht, auf Uwe Pohlitz ist Verlass. Persönlich besonders beeindruckt hat ihn die Wiederbegegnung mit der DDR-Kultband Stern Combo Meißen. Aber auch die Journalistin und spätere LINKE Abgeordnete Luc Jochimsen – typisch für Uwe Pohlitz und die Vielfalt, die dank Mistreitern wie ihm die UNZ ausmacht. „Über die Jahre ist der Informationsgehalt immer gleich hoch geblieben und die Qualität sogar noch besser geworden. Was fehlt, wären eigentlich nur noch mehr Mitstreiter und  ein frischeres Aussehen“, so Uwe Pohlitz dessen Ruhestand ausgefallen ist. Und: er kündigt an, auch in den nächsten Jahren die bunte Thüringer Kulturszene zu begleiten. „Da gibt es so viel Lohnenswertes zu berichteten, wofür in anderen Medien kein Platz ist, dass UNS die Themen nicht ausgehen“, so sein optimistischer Blick in die Zukunft.

 

Gabi Zimmer war früher selbst Redakteurin einer Betriebszeitung in Suhl. Als frühere Vorsitzende der PDS Thüringen sowie der Landtagsfraktion, ist die heutige Chefin der LINKEN Europafraktion (GUE/NGL) auf vielfältige Weise mit der UNZ verbunden. „Wir haben im Laufe der Zeit viele Diskussionen über die Erweiterung des Stammlesekreises geführt und ich finde, dass sich die Zeitung als wichtiger, stabiler Faktor für die Arbeit des  Landesverbandes DIE LINKE. Thüringen entwickelt hat, ohne ausschließlich nur die Parteimeinung widerzuspiegeln. Es ist eine erhebliche Leistung von allen Partnern der UNZ, dass sich die Zeitung bis heute in dieser Qualität halten konnte. Die UNZ wird weit über die üblichen linken Kreise gelesen, weil viele unterschiedliche Meinungen im alternativen Spektrum veröffentlicht werden. Für mich persönlich ist sie ein ganz wichtiges verbindendes Element zwischen meiner Arbeit im Europaparlament und Thüringen. Ich bin der UNZ dankbar, dass ich regelmäßig wichtige Informationen vermitteln und so allen Interessierten die Wichtigkeit europäischer Politik näher bringen kann.“

 

Schon bevor Dr. Steffen Kachel als jugendpolitischer Sprecher 1994  für die PDS in den Landtag zog, gehörte er zu denen, die eine kritische linke Zeitung in Thüringen für sehr wichtig hielten. „Aufgrund der notwendigen Erhöhung des Stammkapitals wurde ich 1994 mit vielen anderen Gesellschafter“, erinnert sich Dr. Steffen Kachel, der heute einer der Hauptgesellschafter ist und als promovierter Historiker sowie als Vorsitzender der Erfurter LINKEN der UNZ in vielerlei Hinsicht eng verbunden ist. „In früheren Jahren war der Wert der Zeitung für das linke Spektrum in Thüringen, aber auch für die Landtagsfraktion durchaus nicht allen klar“, erinnert er sich: „manche Funktionsträger mussten sich erst überzeugen, dass die UNZ-Leserschaft das bietet, was regelmäßige Berichte aus dem Landtag brauchen: ein sympathisierendes, weiterverbreitendes Publikum.“ 

Er erinnert sich an eine erhebliche Klippe, an der die Zeitung wirtschaftlich fast scheiterte: „Nachdem das mit der Stammeinlage geschafft war, hörte Peter Pechauf als Geschäftsführer auf. Sein Nachfolger, der frisch vom BWL-Studium kommende Veit Wittke, erkannte, dass die Kosten­struktur radikal verändert werden musste. so dass sich die Zeitung wirtschaftlich stabilisieren konnte. Veit und in seiner Nachfolgerin ab 1999, Monika Fenk-Sorbe, haben das betriebswirtschaftliche Fundament gebaut, auf dem die UNZ erfolgreich arbeitet. 

 

Annette Rudolph, die Ende 1994 Gerd Dolge in der Öffentlichkeitsarbeit der PDS-Fraktion im Thüringer Landtag folgte, kümmert sich seither um den Parlamentsreport, mit dem die LINKEN Abgeordneten – und es wurden von Wahl zu Wahl mehr – sozusagen live über ihre parlamentarische Arbeit berichten. Damals vor allem, aber heute auch noch, gelte, so sagt sie: „Wer kontinuierlich, aktuell und unverfälscht etwas über linke Politik in Thüringen und im Erfurter Landtag erfahren will, der liest die UNZ mit ihrem Parlamentsreport. Und das sind immerhin tausende Leserinnen und Leser, die ihre Zeitung stets pünktlich alle zwei Wochen im Briefkasten haben. Das ist auch ihr größter, gar nicht hoch genug zu schätzender Verdienst, dass das Linke-Zeitungsprojekt dank vielfältiger Unterstützung und großem Enthusiasmus nicht untergegangen ist, wie die meisten alternativen Blätter.“

 

Regina Pelz steht wie kaum jemand anders für das Vierteljahrhundert UNZ. Auch sie ist seit 1990 dabei. Lange, trotz schwerer Krankheit, als alleinige Redakteurin und bis heute in der Redaktion unverzichtbar, findet, dass die Zeitung „vor allem, durch die Menschen geprägt wurde“. „Die UNZ entstand in der Wendezeit als einzige linke Zeitung in Thüringen, sozusagen als Stecknadel im Heuhaufen der Etablierten. Und sie ist nach 25 Jahren trotz aller Schwierigkeiten immer noch da.“

„Es waren die Jahre, in denen die PDS in Auseinandersetzung mit der SED das Laufen lernte, sich zur gesamtdeutschen LINKEN mauserte und in Thüringen jetzt sogar im Bündnis mit Rot-Rot-Grün den ersten linken Ministerpräsidenten stellt. Diese Zeit war auch für uns eine Zeit des Lernens. Es ging nicht nur um neue gesellschaftliche Verhältnisse. Es ging um die Menschen in diesem Land. Viele erlebten ungeheure Lebensbrüche, mussten umlernen und neu starten. Oft wurden ihre Abschlüsse nicht mehr anerkannt. Plötzlich gehörten Obdachlose zum Alltag, Arbeitslosigkeit und neue Ungerechtigkeiten erforderten Mut und neues Selbstbewusstsein. Andere mussten sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinander setzten und trotzdem den aufrechten Gang nicht verlieren. 

Einige von ihnen zu begleiten, mit ihnen zu sprechen, ihre Sichten, Argumente und Ideen und manchmal auch ihre Wut zu Papier zu bringen, all das möchte ich nicht missen. 

Diese Menschen in ihrer Vielfalt haben nicht nur unsere Zeitung ausgemacht, sie haben auch mich geprägt. Für ihre Offenheit und ihr Vertrauen in uns UNZ-Mitstreiter, kann ich anlässlich unseres Jubiläums nur DANKE sagen“.