21. März 2017

Die Dynamik der BUGA

Kathrin Weiß ist Geschäftsführerin der Buga gGmbH. Foto: Foto: Barbara Neumann

 

100 Millionen soll der Haushalt für die BUGA betragen. In den vielen Diskussionen über Konzepte könnte man meinen, die ega und die Stadt Erfurt brauchen die BUGA, um überhaupt zukunftsfähig zu werden?

 

Sinn und Zweck der BUGA war, das integrierte Stadtentwicklungskonzept umzusetzen: das grüne Band im Norden und die Sanierung des egaparks. Das, inklusive der Weiterentwicklung des Petersberges, sind die Hauptziele der Stadt. Das kann jeder in der Machbarkeitsstudie auf unserer Internetseite nachlesen (www.buga2021.de). 61 Millionen Euro werden in Daueranlagen investiert, die nachhaltig bestehen bleiben. Davon sind 10,5 Millionen Eigenmittel der Landeshauptstadt und 10 Millionen der Stadtwerke für den egapark, der Rest soll laut Machbarkeitsstudie aus Fördermitteln kommen. 

 

Das sind Fördermittel vom Land Thüringen und vom Bund?

 

Es wird auf bestehende Programme im Tourismus und Städtebau zurückgegriffen. Einen speziellen BUGA-Fördertopf gibt es nicht. Mit dem Eigenanteil der Eigentümer können diese Fördermittelprogramme genutzt werden. Weitere 39 Millionen Euro werden im Durchführungshaushalt als Budget für die 177 Tage Gartenfest (23.4. bis 17.10. 2021) zur Verfügung gestellt. Refinanziert wird das durch die Eintrittserlöse. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie gehen wir von 27 Millionen Euro bei 2 Millionen Besuchen (1,6 Millionen Besucher) aus. Die Stadt Erfurt wird darüber hinaus einen Zuschuss zahlen.

 

Bei Großprojekten, wie auch bei der Multifunktionsarena, wird es immer teurer als geplant. Wer trägt das Risiko möglicher Mehrkosten? 

 

Die Eigentümer, die ega gGmbH und die Stadt für ihre Flächen, sind jetzt dabei, eine Planung für die Daueranlagen zu machen. Wir als BUGA gGmbH sind eine temporäre Gesellschaft und für die Durchführung der BUGA zuständig, aber nicht für die Finanzierung der Daueranlagen. Für die Nördliche Geraaue und den Nordpark wird aufgelistet, was an Projekten entwickelt werden soll. Anschließend gibt es eine große Liste, unter der eine Summe stehen wird. Irgendwann kommen wir dann zu einem Punkt, an dem wir sagen müssen: Es haben sich auf Grund von Wünschen der Erfurter Bürger – z.B. einen beleuchteten Radweg entlang der Gera – Kosten entwickelt, die nicht vorhersehbar waren. Die Stadt wird prüfen, was sie sich leisten kann und will. Manche Projekte müssen dann vielleicht geändert werden. Es gibt viele Stellschrauben, um das Budget einzuhalten. 

 

Die BUGA gGmbH ist gemeinnützig. Sie kann also maximal eine schwarze Null schreiben. Angesichts negativer Erfahrungen anderer Städte mit der BUGA scheint das aber weniger realistisch.

 

Die schwarze Null ist das Ziel der BUGA hier in Erfurt. Wir dürfen aber auch Überschüsse erwirtschaften. Diese müssen dann allerdings für die Erfüllung gemeinnütziger Zwecke eingesetzt werden. In Hamburg war die BUGA nicht erfolgreich, aber es gibt positive Beispiele wie Schwerin oder Koblenz. In Schwerin blieben am Ende drei Millionen übrig. Andere positive Effekte in der Stadtentwicklung lassen sich aber gar nicht in Besucherzahlen messen. In Erfurt, als kleine Großstadt, haben wir gute Voraussetzungen. Es gibt nicht so viele andere Veranstaltungen über das Jahr und wir haben eine breite Unterstützung des Gartenbaus. Ich bin optimistisch, dass wir die zwei Millionen Besuche schaffen. Von den zwei Millionen Besuchen sollen 400.000 aus Erfurt kommen. Wie kommen Sie auf diese Prognosen? Auch das finden Sie detailliert in der Machbarkeitsstudie. Für Tagesbesucher rechnen wir mit bis zu zwei Stunden Anreisedauer. Das neue Erfurter ICE-Kreuz wird dafür sorgen, dass Städte wie Berlin oder Leipzig näher an uns heran rücken. Auf dieser Basis wurden die Prognosen entwickelt. Im egapark haben wir derzeit 11.000 Dauerkartennutzer und gehen deshalb davon aus, dass wir dann auch die 40.000 BUGA-Dauerkarten erreichen können. 

 

Wie sieht es mit Preisen und Ermäßigungen aus?

 

Das steht erst im nächsten Jahr an. Es gibt verschiedene Modelle.Zur iga in Berlin sind es in diesem Jahr 20 Euro für die Tageskarte und 90 Euro für die Dauerkarte. 

 

Das wäre fast das Dreifache des jetzigen Eintritts. Sind das für Erfurter Bürger sozialverträgliche und familienfreundliche Preise?

 


Wir sollten dabei nicht vergessen, dass wir nicht nur über den egapark reden, sondern auch über Petersberg, Nordpark und Geraaue. Dazu kommt das größere Angebot zur BUGA. Aber derzeit stehen die Preise bei uns wirklich noch nicht fest.

 

Im Osten kennt jeder Erfurt als Blumenstadt. Aber wie sollen Tagestouristen aus Westdeutschland, die wegen Dom und Krämerbrücke kommen, für die Erfurter Gartenkultur begeistert werden, wenn es in der Altstadt nicht mal ein Blumenbeet gibt? 

 

Was den egapark angeht, haben wir jetzt schon ein Drittel der Besuche aus Erfurt, ein Drittel aus Thüringen und ein Drittel von außerhalb. Wir generieren über die Menschen, die die Altstadt besuchen, unsere Gäste. Nicht umsonst kommen wir auf über 500.000 Besucher. Deswegen wollen wir mit den Tourismusgesellschaften Marketingnetzwerke knüpfen und die Außenstandorte (Gotha, Saalfeld, Nordhausen u.a.) als Besuchermultiplikatoren nutzen. Was die Werbung in Erfurt angeht, hat die ega Blumenschiffchen auf dem Breitstrom in der Bewirtschaftung. Werbeaktionen zur BUGA werden aber frühestens 2019 beginnen. 

 

Wie wird sich Erfurt nach 2021 durch die BUGA entwickeln? 

 

60.000 Einwohner leben im Umfeld der nördlichen BUGA-Fläche in Erfurt. Für sie wird es mehr hochwertige Grünanlagen geben, insgesamt 16 Hektar. Nicht aus der Retorte – wir haben dort ja schon einen natürlichen Auwald, der noch weiter entwickelt werden soll. So werden neue Spiel- und Sportangebote entstehen. Wir erwarten, dass durch die BUGA sehr viel Dynamik in die Stadtentwicklung kommt. Es wird eine neue Wohnbebauung entstehen, dazu das KoWo-Projekt. Die nördlichen Bereiche der Stadt werden attraktiver, und es werden sich nach der BUGA einige Investoren finden. Das Problem Gentrifizierung und steigende Mieten werden durch neue Wohnungen in der Geraaue aber nicht kleiner, auch wenn das nicht Aufgabe der BUGA gGmbH ist …Das ist natürlich ein Thema. Wir haben dort sehr viele Wohnungen der KoWo und anderer Genossenschaften und damit in Erfurt einen großen Vorteil. Denn denen geht es nicht allein um  Rendite. Genau in diesem Bereich werden wir Investitionen haben.

 

Ist die Seilbahn vom Domplatz zum Petersberg vom Tisch oder kommt ein anderes Modell? 

 

Für den Petersberg wird es demnächst einen Wettbewerb geben, um ein Wegeaufzugsystems zu entwickeln, dass auch nach der BUGA bleibt. Barrierefreiheit soll erreicht werden. Wenn die Seilbahn käme, würde sie vom Gartenbaumuseum zum Petersberg gehen. Wir sind gerade dabei, uns das Wirtschaftliche anzuschauen. Ende des ersten Halbjahrs wollen wir eine Entscheidung treffen. 

 

Projekte wie die Seilbahn regen viele auf. Sie fürchten, dass sie am Ende die Zeche über höhere kommunale Beiträge oder Kürzungen bei städtischen Leistungen zahlen müssen. Wie gehen Sie mit solchen Kritiken um?

 

Die Seilbahn hat Gegner und Befürworter. Für uns ist es nicht nur eine temporäre Attraktion, sondern ein Mittel, um schnell von A nach B zu kommen. Wir sehen vor allem logistische Vorteile. Wir wollen, dass es für uns wirtschaftlich zu null aufgeht. 

 

Wenn es um den Transport geht, warum nicht das Geld in die Straßenbahn investieren?

 

Das ist Bestandteil der Betrachtungen. Die Seilbahn ist eine Variante, die Stadtbahn eine andere. Das gehört selbstverständlich zu unserem Verkehrskonzept. Wenn uns noch etwas anderes einfällt, werden wir uns das auch anschauen. Es müssen Personen transportiert werden – und es muss bezahlbar sein. Das wird nicht hinter verschlossenen Türen besprochen, sondern ergebnisoffen und öffentlich. 

 

Gute Ideen gibt es viele. Vor allem im Nordpark. Urbanes Gärtnern, Pop up Gärten und viel Neues ist zu lesen. Wie können solche Ideen aus dem BUGA-Dialog tatsächlich umgesetzt werden?

 

In Daueranlagen finden Sie schon viele Vorschläge aus dem BUGA-Dialog. Bei der letzten Veranstaltung waren über 300 Menschen anwesend. Am 28.3. wird es um 18:00  Uhr eine weitere Informationsveranstaltung im Atrium der Erfurter Stadtwerke geben. Da können wir auch darüber diskutieren, wie Mitmachgärten aussehen. Wir dürfen dabei nur nicht vergessen, dass die BUGA eine Leistungsschau des gärtnerischen Berufsstandes ist. Das heißt: Fachleute planen und setzen um. Wir sind aber auch im Gespräch mit Naturschutzverbänden und Vereinen, weil wir Mitmachbereiche wollen, auch was Veranstaltungen während der BUGA angeht. Das bezieht sich jedoch nicht auf das gesamte Ausstellungsprogramm. 

 

Können auch Projekt wie z.B. der Urbane Garten Lagune eine Art Außenstandort der Buga werden?

 

Über solche Fragen haben wir bereits diskutiert. Lagune und andere Vertreter sind bereits auf uns zugekommen. Es wird sich nicht jeder an allem beteiligen können, aber es wird solche Möglichkeiten geben. Auch was neue, generationsübergreifende Modelle bei den Kleingärten angeht, können wir uns einiges vorstellen. Ich kann aber kein Pauschalversprechen machen, dass jede Idee umgesetzt wird.

            

Thomas Holzmann 

 

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