17. April 2012

[‘solid] kämpt weiter gegen Militärpropaganda

In den letzten Jahren hat die Werbung der Bundeswehr in Bildungseinrichtungen immer mehr zugenommen. Grund sind die Abschaffung der Wehrpflicht und die Kriege, die Deutschland in aller Welt führt. Solche Auslandseinsätze mit Gefahr für das eigene Leben bzw. der Aussicht auf psychische Probleme nach deren Absolvierung lassen die Bundeswehr unter den jungen Menschen nicht gerade populärer werden. 

Deswegen wirbt die Bundeswehr durch Besuche im Sozialkunde-Unterricht, Politikspielchen oder durch Stände bei Berufsmessen. Die Propaganda ist immer die Gleiche: Konflikte können nur militärisch gelöst werden, Militärdienst ist ein großes Abenteuer und die Bundeswehr sorgt für eine Ausbildung oder sogar das Studium. 

Nicht umsonst kommen mehr als die Hälfte aller Rekruten aus den strukturschwachen Gebieten Ostdeutschlands. Ein sicheres und gutes Einkommen neben der Ausbildung oder dem Studium locken viele junge Menschen in die Bundeswehr. Auf was sie sich eigentlich eingelassen haben, ist den gerade erst 17 oder 18-jährigen nicht bewusst. 

Doch die Kritik gegen diese Propagandaveranstaltungen wächst. Die  Linksjugend ['solid] hat eine Kampagne unter dem Titel „Bundeswehr raus aus den Schulen“ initiiert. Seit einem halben Jahr gibt es eine vergleichbare „Anti-Militär-Kampagne“ der Linksjugend ['solid] Thüringen. 

Das bekam die Bundeswehr bereits zu spüren. Zuletzt bei der Berufsinfo-Messe im Jenaer Volkshaus, wo sie für ihr mörderisches Treiben warb. Diese Messe im Volkshaus ist einer der  wichtigsten Anlaufpunkte für Jugendliche, die eine Ausbildung suchen, zu der fast alle Jenaer SchülerInnen hingehen. Logisch, dass die aktivste Ortsgruppe der Thüringer Linksjugend dagegen mobil machte. In Zusammenarbeit mit dem Bundestagsabgeordneten Ralph Lenkert wurde eine Kundgebung vor dem Volkshaus angemeldet. So kam es, dass wir am frühen Sonn-abendmorgen zwar nur zu zehnt, dafür aber mit selbstgebasteltem Sarg, Flyern und Transparent vor dem Volkshaus standen und alle Interessent-Innen der Berufsmesse über die Bundeswehr aufklärten. So erfolgreich war unsere Aufklärung, dass die Bundeswehr immer wieder irgendwelche Offiziere herausschickte, die versuchten uns in Diskussionen zu verwickeln. Wir seien weder bei der Bundeswehr noch in Afghanistan gewesen und könnten uns deswegen gar kein Bild machen. Mal abgesehen davon, dass man auch eine Meinung zu Kernkraft haben kann, ohne in einem Kernkraftwerk gearbeitet zu haben, mussten auch einige Solids dienen und wissen so sehr gut über den Charakter der Bundeswehr Bescheid.

Dabei zeigte sich, wie viele Menschen schon sensibilisiert gegenüber der Bundeswehr sind. Unser Transparent mit der Aufschrift „Karriere bei der Bundeswehr“ und der Darstellung eines Sargs, der von mehreren Soldaten getragen wird, sorgten bei vielen Passanten zuerst für den Verdacht, dass wir für die Bundeswehr werben würden und sie lehnten unsere Flyer ab. Erst als wir ihnen deutlich machten, dass wir ja gerade gegen die Bundeswehr seien,  änderte sich ihre Haltung.

Nicht zuletzt trafen wir auch auf verschiedene junge Frauen, die zur        Berufsmesse unterwegs waren, um     ihre Freunde davon abzuhalten zur Bundeswehr zu gehen, ebenso wie einen ehemaligen Soldaten, der sich in Afghanistan durch Splitter eine solche Verletzung an der Schulter zugezogen hatte, dass er seitdem arbeitsunfähig ist. Unterstützung der Bundeswehr natürlich Fehlanzeige.

Nachdem Ralph Lenkert eine kleine Rede gehalten und wir alle Flyer verteilt hatten, beendeten wir unsere Kundgebung in dem Wissen, viele Jugendliche gegenüber der Bundeswehr sensibilisiert zu haben. Damit werden sie in Zukunft wohl nicht mehr so einfach auf deren Propaganda hereinfallen.                                    

Clemens Beck

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/die_junge_seite/detail/browse/3/artikel/solid-kaempt-weiter-gegen-militaerpropaganda/