27. November 2012

Mit Homophobie zu Platz 1 in den deutschen Album-Charts

Der BundessprecherInnenRat von Linksjugend [’solid] hat am 12. November Anzeige gegen Xavier Naidoo und Kool Savas erstattet. Mit ihrem Album „Gespaltene Persönlichkeit“ erreichten die Musiker Xavier Naidoo und Kool Savas vor kurzem Platz 1 der deutschen Albumcharts. Hierbei handelt es sich allerdings, was man bei Naidoo vermuten könnte, nicht nur um Softpop mit christlichem Einschlag. Das Album enthält einen sogenannten 'Hidden Track' mit dem Titel „Wo sind“, in dem das Musiker-Duo satanistische Rituale kritisiert. In dem Lied heißt es unter anderem:  „Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

Josi Michalke, Bundessprecherin der Linksjugend [´solid] erklärte hierzu: „Dieser Song transportiert Menschenfeindlichkeit, Gewaltverherrlichung und Homophobie. Hier werden auf haarsträubende Art und Weise satanistische Rituale mit Kindesmiss-brauch und Pädophilie mit Homosexualität gleichgesetzt. Das ist eine Frechheit.“ Naidoo inszeniere sich als der Kämpfer für das Gute mit Heiligenschein, in Wirklichkeit aber offenbare er eine verquere Weltsicht und stachele zu Gewalt und Selbst- justiz an. 

Michalke weiter: „Auch wenn man den aggressiven Text als solchen nimmt, stellt er einen Angriff auf die Menschenwürde und eine Verherrlichung von Gewalt dar, der auch durch die Kunstfreiheit nicht mehr gedeckt ist. Dass ein bundesweit bekannter Musiker, der auch regelmäßig in verschiedenen Fernseh-Shows vor einem Millionenpublikum auftritt, dieses Gedankengut versteckt und unbehelligt an seine Fans weitergeben kann, können und wollen wir nicht akzeptieren. Das Lied ist insoweit auch Ausdruck der allgemeinen Homophobie in der Mitte der Gesellschaft.

Strafrechtlich sah die Linksjugend einen Anfangsverdacht wegen eines Aufrufs zur schweren Körperverletzung und zum Totschlag und wegen Volksverhetzung gegen Xavier Naidoo und Kool Savas, mit bürgerlichem Namen Savaş Yurderi, als gegeben an. Aus diesem Grunde wurde Strafanzeige bei den Staatsanwaltschaften Berlin, Mannheim und Hannover erstattet. Die Anzeige richtete sich darüber hinaus gegen die Verantwortlichen der Vertriebsfirma Tonpool Medien GmbH sowie der Plattenlabels Naidoo Records und Essah Entertainment. Das Sänger-Rapper-Gespann nahm zur Anzeige auch Stellung, distanzierte sich von dem Vorwurf der Homophobie und beteuerte, dass der Text anders gemeint wäre. Die Staatsanwaltschaft nahm keine Ermittlungen auf und ließ die Anzeige fallen.   Der BundessprecherInnenRat der Linksjugend erkläre dazu: „Wenn die – nach wie vor – problematischen Textstellen nicht so gemeint waren, wie beide beteuern, fordern wir Xavier Naidoo und Kool Savas dazu auf, konsequent zu sein und den besagten Text abzuändern oder zurückzunehmen. Es geht nämlich nicht nur um das Wollen, sondern auch das Tun. Ebenso fordern wir, in einer Neuauflage des Albums „Gespaltene Persönlichkeit“ den Song „Wo sind (sie jetzt)“nicht wieder zu veröffentlichen und zukünftige Konzerte ohne diesen Song zu spielen. Die Nichteinleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Mannheim nehmen wir zur Kenntnis. Die Strafanzeige gegen „Xavas“ hat die Debatte um den Track und die Frage, ob solche Musiker  nicht besser vor Veröffentlichung eines Albums eine Qualitätsprüfung durchführen sollten, in Gang gebracht, sie muss jetzt aber weitergehen. Zensur ist für uns aber keine Lösung von gesellschaftlichen Problemen. Die Ursachen liegen tiefer, denn Homophobie und Sexismus sind weit verbreitet in der Gesellschaft. Inhaltlichen Schwachsinn wie „Wo sind“ werden wir deshalb weiter kritisieren. 


BundessprecherInnenRat 

Linksjugend ’solid