7. November 2017

„Macht kaputt, was schon kaputt ist!“

Von Georg Buder

 

Allgegenwärtig schreit einem dieses Jahr das Reformationsjubiläum entgegen. Ein Gesellschaftsereignis, welches sich mit dem Lutherjahr und diversen Veranstaltungen und Feierlichkeiten ankündigte. Am 31.10. jährte sich die Reformation zum 500. Mal. Der Tag an dem der Thesenanschlag stattgefunden haben soll. Die Verbreitung der Thesen förderte die Abkehr des damals verbreiteten Ablasshandels und die Entstehung des  evangelischen Kirchenzweigs. Dass heutzutage bei der Nennung dieses Ereignisses immer wieder eine positive Hervorhebung von Martin Luther mitschwingt, ist aus unserer Sicht zu kritisieren, da er trotz seiner reformatorischen Überzeugungen, zutiefst antisemitische, sexistische oder obrigkeitshörige Positionen vertrat. 

Mitglieder der Linksjugend hatten eigene Thesen formuliert, um sich nicht mit den vermeintlichen Errungenschaften eines 500 Jahre zurückliegenden Ereignisses zufrieden zu geben, sondern eine Debatte um die heutigen Probleme ins Rollen zu bringen und gleichzeitig zu hinterfragen, in was für einer Gesellschaft wir leben und in welcher wir in Zukunft leben wollen. 
500 Jahre Reformation, unzählige gesellschaftliche Missstände, der unkritische Umgang mit Martin Luther und eine fehlende Zukunftsvision haben uns veranlasst, dass wir das Reformationsjubiläum kritisch begleiten und für eine eigene Aktion nutzen wollten. 
So kam es, dass wir Thesen entworfen haben, die sich mit der Benachteiligung von Menschen auseinandersetzen, sei es aufgrund ihres Aussehens, Glaubens, Denkens oder ihrem Geschlecht. Thesen die kritisch die Rolle Martin Luthers oder der Kirche beleuchten, oder aber Missstände darlegen, wie das Leiden von Millionen Menschen an Hunger bei gleichzeitiger Lebensmittelüberproduktion (Die Thesen lassen sich hier nachlesen: bit.ly/2gXzda0 ). 
Die damalige Thesenverbreitung rief enorme gesellschaftliche Veränderungen hervor. Daran angelehnt, haben wir unsere Thesen am Abend des 30.10. feierlich auf dem Erfurter Domplatz verkündet, um einen Grundstein für den  Aufbruch in eine gerechtere und bessere Welt zu setzen. Zwischen Konfetti, Girlanden und Lampingnons tanzten die Leute in feiner Kleidung zu klassischer Musik und feierten die Verkündung der Thesen.
Damit es nicht nur bei der Verkündung blieb, wurden die Thesen online gestellt, damit engagierte Leute deren Verbreitung vorantreiben konnten. Uns erreichten zahlreiche Bild- und Videoeinsendungen von aufgehängten Thesenplakaten aus unterschiedlichen Städten thüringenweit. Adressat waren diesmal nicht nur Kirchen, sondern auch gesellschaftliche oder staatliche Institutionen wie Rathäuser, Parteizentralen oder Bürgerzentren. 
Das Video der gesamten Aktion ist auffindbar unter: bit.ly/2gT2pvg 
Für uns war es wichtig die Perspektive aufzuzeigen, die Welt mitzugestalten und verändern zu wollen.  Für das schöne Leben für alle Menschen!

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/die_junge_seite/detail/artikel/macht-kaputt-was-schon-kaputt-ist/