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LAND UND LEUTE

März 2010

Krieg und Frieden – gespiegelt in Chor-Werken

Von der Sondershäuser Werkstatt des Projekts „Thüringen singt“ – 150 Chorsängerinnen und -Sänger beim Abschlusskonzert

In allen Sprachen singt man auf der Welt. Seit Tausend Jahren. Lied und Gesang umfassen viele Geschichtsepochen. Der Gesang vermittelt sowohl überschäumende Lebenslust und Zuversicht wie auch Leid und Trauer, Klagen über Verluste, aber auch Spaß und Liebe an irdischen Dingen. Davon hörten und erlebten am ersten Februarwochenende im wunderschönen Achteckhaus des Sondershäuser Schlosses sehr viele Musikbegeisterte.
Sie waren Gäste des Abschlusskonzertes nach einer Projektwerkstatt unter Bundeschorleiter André Schmidt, Franz-List-Hochschule Weimar. Die etwa 150 Chorsängerinnen und -Sänger aus ganz Thüringen präsentierten die in anderthalb Tagen frisch einstudierten Titel unter dem übergreifenden Gesichtspunkt, wie sich europäische Geschichte in der Chormusik der letzten vier Jahrhunderte kulturell „verewigt“ hat: Es sind entsetzliche Kriege und Zeiten des Friedens, Freiheitskämpfe und Katastrophen, Flucht und private Idylle, aber auch soziale Anklage und Aufbegehren.
Den Auftakt gaben Lieder von barocker Lebenslust (Giovanni Gastoldi, Hans Leo Hassler, Melchior Frank). Es folgten Kompositionen von überragenden Klassikern (Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel, Ludwig van Beethoven, Franz Schubert). Ihre Musik ist von ergreifender Eindringlichkeit und Menschlichkeit. Ins Robert-Schumann-Gedenk-Jahr 2010 (200. Geburtstag!) fügte sich sehr logisch auch dessen Vertonung von Ferdinand Freiligraths Gedicht „Schwarz-Rot-Gold“, das den revolutionären Atem der bürgerlichen Revolution von 1848/49 spüren lässt.
Fast hundert Jahre später: die sehr ergreifende Klage und der Aufschrei Rudolf Mauersbergers „Wie liegt die Stadt so wüst“, komponiert Ostern 1945, angesichts des schwer zerstörten Dresdens. Mauersbergers Chorsatz ist ein erschütterndes Dokument von höchster Intensität. Dies in anderthalb Tagen mit Laiensängern einstudiert zu haben, ist bewundernswert. Zum künstlerischen Gelingen des Konzertes trugen die Dozenten Christoph Berger und Harald Dübler sowie einige Musikstudenten wesentlich bei.
Prof. André Schmidt führte mit knappen Bemerkungen zur Auswahl durch das Programm. Inhaltliche Akzente setzten im abschließenden Teil auch solche Chorsätze, in denen deutlich unterschiedliche politische und künstlerische Entwicklungen in Ost und West nach 1945 zum Ausdruck kamen. Mag sein, mancher vermisste dies oder jenes, aber eine Auswahl hat ihre Tücken. Bei dem DDR-Titel „Du hast den Farbfilm vergessen“ fiel das enthusiasmierte Publikum gar in den Chorgesang ein und führte die Stimmung zu einem Höhepunkt. Die beste Werbung für den Chorgesang überhaupt. Das Chorprojekt „Thüringen singt“ für 2010 steht unter dem Motto „Jetzt singt zusammen, was zusammen gehört“ und wird gemeinsam von den Landessängerverbänden Thüringens, Niedersachsens und Bremens getragen. Chorkonzerte sind bereits für Hameln und Weimar geplant.

Werner Voigt
Foto: Karl-Heinz Herrmann
www.kyffhaeuser-nachrichten.de
Uwe Pohlitz
 

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